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Ballons mit Wünschen für Deutschland

Ballons mit Wünschen für Deutschland Schüler aus Ost und West haben in Mödlareuth Luftballons mit Gedanken zur Zukunft steigen lassen. Der Aktion ging ein emotionales Schulprojekt zu 25 Jahren Einheit voraus. Von Andrea Hofmann Ostwind in Mödlareuth: Im Nu waren die schwarz-rot-goldenen Lufballons der Hofer und Plauener Schüler über die Mauer hinweggeflogen. An die Ballons haben die jungen Leute Kärtchen gehängt - darauf stehen Zitate von Zeitzeugen sowie eigene Gedanken der Schüler für die Zukunft in Deutschland. Fotos: aho Mödlareuth/Hof/Plauen - Luftballons scheren sich nicht um Barrieren. Mit Leichtigkeit überwinden sie Mauern und Staatsgrenzen. Luftballons sind ein Symbol für Freiheit, umso mehr, wenn sie in Schwarz-Rot-Gold über dem einst geteilten Dorf Mödlareuth in den Himmel steigen - so weit hinauf, bis man nicht mehr genau ausmachen kann, ob sie über Bayern oder über Thüringen schweben. 40 Schüler aus Ost und West, aus Plauen und Hof, haben mit den Luftballons am gestrigen Donnerstag in Mödlareuth an den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung und an 70 Jahre Kriegsende erinnert. Samt den Ballons haben sie Kärtchen mit Zitaten von Zeitzeugen - und mit ihren eigenen Wünschen für die Zukunft Deutschlands - in die Luft geschickt. Die Luftballon-Aktion war der Abschluss des länderübergreifenden Schulprojekts "Spurensuche in der Region - 1945/1989/1990". Mit dabei waren Jugendliche aus dem Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium und der Johann-Georg-August-Wirth-Realschule in Hof sowie der Dr.-Christoph-Hufeland-Oberschule und der Friedrich-Rückert-Oberschule in Plauen. Den Sommer über haben die Schüler Zeitzeugen befragt. Für die Hofer war der bewegendste Moment dabei ein Sommernachmittag, an dem sie wohl mehr über die deutsch-deutsche Geschichte gelernt haben, als sie es im Klassenzimmer je gekonnt hätten: In der Hofer Innenstadt zeigten sie Passanten Fotos vom zerbombten Plauen und Hof, von friedlichen Demos im Osten, von Trabbi-Invasionen im Hofer Land. Die Reaktionen der Zeitzeugen gingen den Schülern unter die Haut. Einer Frau kamen in der Fußgängerzone die Tränen - vor Freude. Eine Hoferin, erzählte die 17-jährige Sarina Nigl vom Reinhart-Gymnasium, habe jeden Tag eine andere ostdeutsche Familie bei sich übernachten lassen: "Sie hat jeden Morgen Frühstück gemacht, und dann kamen schon wieder die nächsten." Eine andere Dame hatte auf dem Foto des zerstörten Plauen ihr Wohnviertel wiedererkannt, erzählt Lisa-Marie Klug von der Hofer Realschule, die Frau habe sich daran erinnert, wie eine Cousine in den Trümmern starb. "Die Frau hat auch erzählt, dass ein Soldat den Opa für den Verlust mit einer Zigarette entschädigen wollte." Bei manchen Zeitzeugen blitzten zwar noch Vorurteile durch. "Aber die Menschen sind noch immer froh und stolz, dass die Mauer gefallen ist, ", sagt Sarina Nigl. Vor allem stolz, fügt Till Wolf von der Rückert-Oberschule in Plauen hinzu: "Die Macht des Volkes ist groß" - war der Satz eines Zeitzeugen, der bei Till am meisten Eindruck hinterlassen hat. Die Plauener Schüler haben für das Projekt Familienangehörige befragt: "Dabei erfährt man so viel, was man aus Büchern nicht lernt", sagt der 15-jährige Tom Fritsche von der Hufeland-Oberschule. Familiengeschichten kennen auch die Hofer: Sarinas Großeltern sind nach dem Krieg von Siebenbürgern übersiedelt; Lisa-Marias Mutter hat auf der B 2 bei Töpen - wo vor der Wende so gut wie kein Verkehr war - das Roller-Fahren gelernt. Die Initiative für das Schülerprojekt kam vom Deutsch-Deutschen Museum in Mödlareuth, wo die Realschullehrerin Siglinde Waschke mit zwei weiteren Hofer Lehrern regelmäßig Schul-Führungen anbietet. 14 000 bayerische Schüler, sagt sie, hätten voriges Jahr Mödlareuth besucht. Bei dem Projekt sei den Initiatoren die Nachhaltigkeit wichtig gewesen: "Für die Jugendlichen sind das alles Kapitel aus dem Geschichtsbuch - sie waren nicht involviert", sagt Waschke. "Auch deshalb haben sie von den Gesprächen mit Zeitzeugen unheimlich profitiert." Dazu gehört auch, dass die Schüler die Zitate der Zeitzeugen nicht nur gesammelt, sondern eben auch weitergedacht haben. "Anfangs haben sie sich in Fakten festbissen", sagt Waschke, "bis sie versuchten, die Fakten auf eine andere Ebene zu heben." Was dabei herausgekommen ist, hat auch die Lehrer berührt. So hatte ein Zeitzeuge den Schülern erzählt, wie stolz die Hofer waren, dass sie nach dem Mauerfall dem Ansturm an Menschen aus dem Osten bewältigt hatten. Diesen Gedanken haben die Schüler in einen aktuellen Zusammenhang gestellt: "Wir sollten den heutigen Flüchtlingen genauso helfen", schrieb jemand auf eines der Kärtchen an den Ballons. Und: "Ich wünsche mir, dass die Deutschen sich erinnern, dass viele von ihnen selbst Flüchtlinge waren." Die Kärtchen sind seit Donnerstagmittag in der Luft. Wer eines findet, hat freien Eintritt ins Museum in Mödlareuth, wo er an einer Pinnwand eigene Gedanken hinterlassen kann.

Ballons mit Wünschen für Deutschland Schüler aus Ost und West haben in Mödlareuth Luftballons mit Gedanken zur Zukunft steigen lassen. Der Aktion ging ein emotionales Schulprojekt zu 25 Jahren Einheit voraus. Von Andrea Hofmann Ostwind in Mödlareuth: Im Nu waren die schwarz-rot-goldenen Lufballons der Hofer und Plauener Schüler über die Mauer hinweggeflogen. An die Ballons haben die jungen Leute Kärtchen gehängt - darauf stehen Zitate von Zeitzeugen sowie eigene Gedanken der Schüler für die Zukunft in Deutschland. Fotos: aho Mödlareuth/Hof/Plauen - Luftballons scheren sich nicht um Barrieren. Mit Leichtigkeit überwinden sie Mauern und Staatsgrenzen. Luftballons sind ein Symbol für Freiheit, umso mehr, wenn sie in Schwarz-Rot-Gold über dem einst geteilten Dorf Mödlareuth in den Himmel steigen - so weit hinauf, bis man nicht mehr genau ausmachen kann, ob sie über Bayern oder über Thüringen schweben. 40 Schüler aus Ost und West, aus Plauen und Hof, haben mit den Luftballons am gestrigen Donnerstag in Mödlareuth an den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung und an 70 Jahre Kriegsende erinnert. Samt den Ballons haben sie Kärtchen mit Zitaten von Zeitzeugen - und mit ihren eigenen Wünschen für die Zukunft Deutschlands - in die Luft geschickt. Die Luftballon-Aktion war der Abschluss des länderübergreifenden Schulprojekts "Spurensuche in der Region - 1945/1989/1990". Mit dabei waren Jugendliche aus dem Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium und der Johann-Georg-August-Wirth-Realschule in Hof sowie der Dr.-Christoph-Hufeland-Oberschule und der Friedrich-Rückert-Oberschule in Plauen. Den Sommer über haben die Schüler Zeitzeugen befragt. Für die Hofer war der bewegendste Moment dabei ein Sommernachmittag, an dem sie wohl mehr über die deutsch-deutsche Geschichte gelernt haben, als sie es im Klassenzimmer je gekonnt hätten: In der Hofer Innenstadt zeigten sie Passanten Fotos vom zerbombten Plauen und Hof, von friedlichen Demos im Osten, von Trabbi-Invasionen im Hofer Land. Die Reaktionen der Zeitzeugen gingen den Schülern unter die Haut. Einer Frau kamen in der Fußgängerzone die Tränen - vor Freude. Eine Hoferin, erzählte die 17-jährige Sarina Nigl vom Reinhart-Gymnasium, habe jeden Tag eine andere ostdeutsche Familie bei sich übernachten lassen: "Sie hat jeden Morgen Frühstück gemacht, und dann kamen schon wieder die nächsten." Eine andere Dame hatte auf dem Foto des zerstörten Plauen ihr Wohnviertel wiedererkannt, erzählt Lisa-Marie Klug von der Hofer Realschule, die Frau habe sich daran erinnert, wie eine Cousine in den Trümmern starb. "Die Frau hat auch erzählt, dass ein Soldat den Opa für den Verlust mit einer Zigarette entschädigen wollte." Bei manchen Zeitzeugen blitzten zwar noch Vorurteile durch. "Aber die Menschen sind noch immer froh und stolz, dass die Mauer gefallen ist, ", sagt Sarina Nigl. Vor allem stolz, fügt Till Wolf von der Rückert-Oberschule in Plauen hinzu: "Die Macht des Volkes ist groß" - war der Satz eines Zeitzeugen, der bei Till am meisten Eindruck hinterlassen hat. Die Plauener Schüler haben für das Projekt Familienangehörige befragt: "Dabei erfährt man so viel, was man aus Büchern nicht lernt", sagt der 15-jährige Tom Fritsche von der Hufeland-Oberschule. Familiengeschichten kennen auch die Hofer: Sarinas Großeltern sind nach dem Krieg von Siebenbürgern übersiedelt; Lisa-Marias Mutter hat auf der B 2 bei Töpen - wo vor der Wende so gut wie kein Verkehr war - das Roller-Fahren gelernt. Die Initiative für das Schülerprojekt kam vom Deutsch-Deutschen Museum in Mödlareuth, wo die Realschullehrerin Siglinde Waschke mit zwei weiteren Hofer Lehrern regelmäßig Schul-Führungen anbietet. 14 000 bayerische Schüler, sagt sie, hätten voriges Jahr Mödlareuth besucht. Bei dem Projekt sei den Initiatoren die Nachhaltigkeit wichtig gewesen: "Für die Jugendlichen sind das alles Kapitel aus dem Geschichtsbuch - sie waren nicht involviert", sagt Waschke. "Auch deshalb haben sie von den Gesprächen mit Zeitzeugen unheimlich profitiert." Dazu gehört auch, dass die Schüler die Zitate der Zeitzeugen nicht nur gesammelt, sondern eben auch weitergedacht haben. "Anfangs haben sie sich in Fakten festbissen", sagt Waschke, "bis sie versuchten, die Fakten auf eine andere Ebene zu heben." Was dabei herausgekommen ist, hat auch die Lehrer berührt. So hatte ein Zeitzeuge den Schülern erzählt, wie stolz die Hofer waren, dass sie nach dem Mauerfall dem Ansturm an Menschen aus dem Osten bewältigt hatten. Diesen Gedanken haben die Schüler in einen aktuellen Zusammenhang gestellt: "Wir sollten den heutigen Flüchtlingen genauso helfen", schrieb jemand auf eines der Kärtchen an den Ballons. Und: "Ich wünsche mir, dass die Deutschen sich erinnern, dass viele von ihnen selbst Flüchtlinge waren." Die Kärtchen sind seit Donnerstagmittag in der Luft. Wer eines findet, hat freien Eintritt ins Museum in Mödlareuth, wo er an einer Pinnwand eigene Gedanken hinterlassen kann.

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